Tafelinformationen 2018/2019

Vor einigen Wochen schreckte eine Nachricht den deutschen Zeitungsleser auf: China will in Zukunft keinen Plastikabfall mehr aus Deutschland aufnehmen. Wieso, fragt sich der  interessierte Leser, exportiert Deutschland überhaupt Plastikmüll nach China, und was passiert dort damit? Tatsächlich geht von den 6 Millionen Tonnen jährlichen Plastikmülls hierzulande etwa ein Viertel ins Ausland, die Hälfte davon nach China und gilt damit offiziell als erfolgreich recycelt. Ist das aber tatsächlich sinnvoll, wenn gleichzeitig bekannt ist, dass die deutsche Müllverbrennung ökologischer arbeitet als die chinesische Kunststoffverwertung und große Teile des Exportmülls im Meer landen?

Ähnlich erschreckend groß wie der anfallende Plastikmüll  ist die Menge der verlorenen oder weggeworfenen Lebensmittel: jährlich weltweit 1,3 Milliarden Tonnen; in Europa und Nordamerika pro Kopf und Jahr 95 bis 115 Kilogramm; in Deutschland pro Jahr 11 Millionen Tonnen, 61 Prozent davon in Privathaushalten.

Das Zauberwort zur Eindämmung dieser negativen Begleiterscheinungen unserer Wohlstandsgesellschaft lautet Nachhaltigkeit, ein Begriff, den mittlerweile fast alle Akteure des Wirtschaftsgeschehens im Munde führen.

Auch der Handel hat ihn für sich entdeckt und versucht mit Hilfe verschiedener Maßnahmen das Kaufverhalten der Kunden positiv zu verändern. Unverpackt angebotenes Obst und Gemüse ermöglichen einen passgenauen und bedarfsgerechten Einkauf genau der Menge, die gebraucht wird. Gemüse oder Obst, die nicht so ganz dem Schönheitsideal entsprechen, gelangen nun in den Verkauf, was früher ein absolutes No-Go war. Die Verbannung der Plastiktüte und deren Ersatz durch solche aus recyceltem Material sollen die Umwelt schonen und den Verpackungsmüll reduzieren.

Darüber hinaus gibt es mittlerweile eine Fülle von Online-Kampagnen, die den Verbraucher für den achtsamen Umgang mit Lebensmitteln sensibilisieren wollen. Dort erhält man nicht nur Informationen zu deren sachgerechter Lagerung, sondern bekommt auch abwechslungsreiche Rezepte zur Zubereitung von Resten, die man im Kühlschrank findet und die nach Verbrauch rufen.

Wieder andere Projekte richten sich speziell an ein junges Publikum. So hält z.B. das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit seiner Kampagne „Zu gut für die Tonne“ ein Wissensquiz bereit, womit Kinder ihre Kenntnisse in Sachen Lebensmittel prüfen können. Einmal jährlich verleiht es den Bundespreis für Engagement gegen Lebensmittelverschwendung und ist damit Antrieb für zahlreiche Initiativen, sich mit möglichst einprägsamen Aktionen darum zu bewerben.

Tafeln haben schon seit den 1990er Jahren begonnen, Lebensmittel, die qualitativ einwandfrei aber nicht mehr verkäuflich sind, vor der Tonne zu retten. Unterstützt werden sie dabei von großen Handelsketten, die sich dem Streben nach Nachhaltigkeit verschrieben haben.

Während aber in Frankreich der Lebensmittelhandel schon seit 2 Jahren gesetzlich dazu verpflichtet ist, überschüssige Ware an gemeinnützige Organisationen weiterzugeben, ist dies in unserem Lande nach wie vor ein freiwilliger Akt.

So sammeln die über 100 Ehrenamtlichen der Bonner Tafel, die an fünf Tagen in der Woche mit sechs Lieferwagen täglich im Einsatz sind, folgende Mengen pro Monat ein:

·        20 Tonnen Obst und Gemüse

·        3000 Brote

·        10000 Brötchen

·        2000 Stück Gebäck       

·        1500 kg Feinkost und Milchprodukte und

·        1000 bis 3000 kg Konserven

 

Im Gegensatz zu anderen Lebensmittelrettern verbinden wir das Ziel der Nachhaltigkeit aber mit einer sozialen Zweckbindung. Denn die Umverteilung der Ware geschieht nicht an jedermann, sondern ausschließlich an Menschen in prekären Lebenssituationen. So erhalten jede Woche ca. 4500 Bedürftige Lebensmittel, darunter 20 Kinder-und Jugendeinrichtungen in sozialen Brennpunkten, 4 Seniorenbegegnungsstätten und 5 karitative Einrichtungen. Etwa die Hälfte der Ware geht an 680 registrierte Haushalte.

Um das leisten zu können, steht der Bonner Tafel eine Vielzahl von Spendern zur Seite, neben Supermärkten und Discountern auch solche, die den Verein mit Geld unterstützen, das zur Finanzierung des Tafelbetriebs unabdingbar ist.

Allen Unterstützern danken wir an dieser Stelle ganz herzlich und hoffen, dass wir auch in Zukunft auf Ihre Hilfe zählen können, gemäß dem Motto: Teilen statt vernichten.

   

Jeder gibt, was er kann

Tafelinformation 2018/19

zum Download

Tafelinformation 2017

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Qualitativ einwandfreies Obst und Gemüse.

Täglich stapeln sich Kisten mit Waren