Tafelinformationen 2019

Bereits die Tafelinformationen 2014 hatten die immense Verschwendung von Lebensmitteln zum Thema und leider hat sich an dieser Problematik bis heute nichts geändert. Nach wie vor werden in Deutschland pro Kopf und Jahr 82 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen, davon 40 Prozent von den Verbrauchern, und 1,3 Milliarden Tonnen jährlich weltweit.

Zur gleichen Zeit leiden mehr als 80 Millionen Menschen Hunger, in Deutschland leben 12 Millionen unter der Armutsgrenze.

Lebensmittel entstehen aus wertvollen Ressourcen: aus Rohstoffen, Wasser, Energie und Arbeitskraft. Nach Zahlen der Umweltstiftung WWF werden in Deutschland auf 2,6 Millionen Hektar, das sind 15 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche, Nahrungsmittel angebaut, die nie verzehrt werden. 38 Millionen Tonnen Treibhausgase werden dabei freigesetzt, das entspricht 4 Prozent der hiesigen Treibhausgas-Emission.
Das ist eine skandalöse, wirtschaftlich wie ethisch untragbare Situation, auf die die Politik nur zögerlich reagiert, aber auch reagieren muss; denn bis 2025 will laut einer entsprechenden Richtlinie die EU die Lebensmittelvernichtung um 30 Prozent senken, bis 2030 soll sie halbiert sein.

Einige EU-Länder reagieren, um dieses Ziel zu erreichen, mit Gesetzesvorgaben, beispielsweise Frankreich und Tschechien. So sind tschechische Supermärkte mit einer Mindestfläche von 400 Quadratmetern seit 2018 verpflichtet, unverkäufliche Waren Lebensmittelbanken zur Weitergabe an Bedürftige zu überlassen.

Andere Länder, wie z.B. Italien, setzen statt gesetzlicher Vorgaben auf Anreize für die Supermärkte. In Deutschland verabschiedete das Kabinett Anfang 2019 eine „nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung“, vorgelegt von der Ernährungsministerin Julia Klöckner. Demnach sollen Unternehmen freiwillig analysieren, wo in ihrer Produktion Lebensmittel vernichtet werden. Eine Arbeitsgruppe von Bund und Ländern soll sich mit der Frage beschäftigen, ob neue Regeln gegen die Verschwendung nötig sind.

Diese auf Freiwilligkeit beruhende Strategie geht vielen jedoch nicht weit genug. So wünschen sich die Grünen mehr Regulierung und klare Grenzen, wie den Ausstieg aus der Massenproduktion in der Landwirtschaft oder eine Obergrenze für die Lebensmittelverschwendung in der Industrie. Klöckner setzt auch auf die Möglichkeiten der Digitalisierung, beispielsweise für die Arbeit der Tafeln. Bundesweit retten die Tafeln jährlich mehr als 260.000 Tonnen Lebensmittel, die - so die Idee - künftig leichter und besser Bedürftige erreichen könnten. Besonders verschwenderisch gehen junge Menschen mit Lebensmitteln um, da sie, anders als ihre Großeltern, Zeiten der Entbehrung nie kennengelernt haben. Diese Zielgruppe soll über soziale Medien erreicht werden, um ihre Wertschätzung für Lebensmittel zu erhöhen.

Mehr als mittlerweile 940 Tafeln mit 60.000 zu 90 Prozent Ehrenamtlichen arbeiten seit 25 Jahren dafür, Essbares vor der Vernichtung zu retten. Sie kooperieren dazu mit 30.000 Discountern und Großhändlern. Dabei erreichen sie bundesweit 1,5 Millionen Bedürftige, darunter 30 Prozent Kinder und Jugendliche.

Der Anteil der Bonner Tafel an dieser eindrucksvollen Bilanz ist beachtlich. Rund 20 Tonnen Obst und Gemüse, 1.500 Kilogramm Milchprodukte und Feinkost und 20.000 Stück Backwaren holen die Ehrenamtler monatlich im Bonner Stadtgebiet ein. An fünf Tagen in der Woche werden ausschließlich einwandfreie Waren an die Kunden verteilt. Außerdem werden 20 karitative Einrichtungen beliefert. Z.Zt. arbeiten 120 Menschen ehrenamtlich bei der Bonner Tafel, dazu vier geringfügig Beschäftigte und eine Betriebsleiterin. Mit 1000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit im Monat sind unsere Kapazitäten personell und räumlich erschöpft.

Ungebrochen groß ist auf der anderen Seite die Nachfrage nach Unterstützung. Um eine möglichst gerechte Verteilung an die Bedürftigen sicherzustellen, haben wir deshalb die Bezugsdauer auf zwei Jahre begrenzt. Ausgenommen davon sind Rentner und Rentnerinnen, weil sich deren Einkommenssituation nicht mehr verändert. Jeder Antragstellende muss seine Bedürftigkeit nachweisen per Rentenbescheid, Hartz IV Bezug oder durch den Nachweis vom Jobcenter. Neukunden erhalten einen Berechtigungsausweis mit Lichtbild. Wir überprüfen außerdem, ob unsere Kunden regelmäßig erscheinen und händigen ihnen mit dem Aufnahmebescheid unsere „Tafelregeln“ aus.

Das mag bürokratisch erscheinen, doch ist es uns wichtig, für einen geregelten organisatorischen Ablauf zu sorgen und auch einem möglichen Missbrauch vorzubeugen. Wir schaffen auf diese Weise für unsere Helfer ein gutes Arbeitsklima und für unsere Kunden Verlässlichkeit.

Nach wie vor finanziert sich der gemeinnützige Verein der Bonner Tafel ausschließlich über Spenden. Neben den Sachspenden sind wir ebenso sehr auf Geldspenden angewiesen. Die Kosten für Miete, Personal, Fuhrpark und Büro müssen damit bestritten werden. Erfreulicherweise verfügen wir nach wie vor über ein ausreichendes Spendenaufkommen, um diese Ausgaben decken zu können. Wir sind allerdings auch weiterhin auf diese Hilfe angewiesen, damit wir unsere Arbeit auch in Zukunft leisten können.

Deshalb danken wir allen, die uns im vergangenen Jahr mit kleinen und großen Summen geholfen haben. Sie tragen dazu bei, dass wir 4500 Personen wöchentlich mit Lebensmitteln unterstützen können.

Die Arbeit der Bonner Tafel kann Not nicht verhindern aber mildern. Und das wollen wir wie in den vergangenen 20 Jahren weiterhin tun, gemäß dem Leitbild der Tafeln

Teilen statt Vernichten

Beatrix Görtner
für den Vorstand der Bonner Tafel e.V.

Tafelinformation 2018

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Tafelinformation 2017

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Tafelinformation 2016

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Qualitativ einwandfreies Obst und Gemüse.

Täglich stapeln sich Kisten mit Waren