Tafelinformationen 2017

Seit 2001 veröffentlicht die Bundesregierung Berichte zur Wohlstandsverteilung in Deutschland. In diesem Frühjahr ist der fünfte Armuts- und Reichtums-Bericht vom Kabinett beschlossen worden. Über den 650 Seiten starken Entwurf, der sich inhaltlich an vorherigen Fassungen orientiert, sind bislang nur wenige Aspekte bekannt.

So betont er einige positive Entwicklungen der vergangenen Jahre, wonach die Zahl der Arbeitslosen seit dem letzten Bericht 2013 von 3,9 auf 2,7 Millionen im Jahr 2016 gesunken ist. Reduziert hat sich auch die Jugendarbeitslosigkeit. Zugleich waren mehr Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, was laut Bericht maßgeblich mit der Einführung des Mindestlohns zusammenhängt.

Allerdings scheint das Armutsrisiko in den letzten drei Jahren leicht zugenommen zu haben. Eines der schwerwiegendsten Armutsrisiken ist die Langzeitarbeitslosigkeit, deren Zahl in den letzten Jahren stagniert. So liegen auch die Gründe für Kinderarmut insbesondere in eingeschränkter Erwerbstätigkeit der Eltern. Auch zwischen der Familienform und dem Armutsrisiko ist ein Zusammenhang zu beobachten. Alleinerziehende und kinderreiche Familien sind besonders häufig betroffen.

Der Zuwachs der Löhne in den letzten Jahren und der damit einhergehende Anstieg des Volkseinkommens von 2012 bis 2015 um etwa 10 Prozent  lässt den Berichtsentwurf zu einem insgesamt positiven Fazit kommen:

Die große Mehrheit der Bevölkerung, etwa 2/3, zähle – so der Berichtsentwurf – zur Mittelschicht und ist daher nicht von Armut betroffen.

Also alles gut? Wohl doch noch nicht!

Sozialverbände wie beispielsweise Diakonie oder Caritas begrüßen zwar die umfassende Datenerhebung, vermissen jedoch daraus resultierende politische Schlussfolgerungen, denn ihrer Ansicht nach geht die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander. Um die Ursachen von Armutsrisiken besser bekämpfen zu können, fordern sie deshalb mehr frühzeitige Hilfe gegen Armut in allen Altersklassen, Handlungsoffensiven, die dem Zusammenhang von Armut und schlechten Bildungschancen entgegenwirken und Konzepte gegen Wohnungsnot und die Benachteiligung Alleinerziehender.

Auch der Jahresbericht 2017 des sozial-ökonomischen Panals (SOEP), besser bekannt unter dem Namen „Leben in Deutschland“, bezieht Stellung und sieht neben der Vielzahl prekärer Beschäftigungsformen eine Ursache für Armut in Deutschland darin, dass elterlicher Besitz dem Nachwuchs Bildungschancen und sozialen Aufstieg erleichtert, wohingegen Armut im Kindesalter den Verbleib in prekären Lebensverhältnissen fördert.

Ganz sicher werden Datenanalyse und die daraus resultierenden politischen Schlussfolgerungen kontrovers diskutiert werden, wenn der Armutsbericht die breite Öffentlichkeit erreicht.

Doch eines ist klar: Jeder arme Mensch in unserer Gesellschaft ist einer zu viel.

Und deshalb muss eine dem Sozialstaatsprinzip verpflichtete Regierung Armutsrisiken ehrlich analysieren und entsprechende politische Handlungsmaxime daraus ableiten, wenn sie den grundgesetzlich verbrieften Auftrag ernst nimmt, Benachteiligten zu einer gleichberechtigten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu verhelfen. Dies ist nicht nur für den einzelnen Betroffenen bedeutsam, sondern trägt auch zur Wahrung des sozialen Friedens hierzulande bei.

Im außerstaatlichen Raum verstehen sich Sozialverbände sowie karitative und ehrenamtliche Organisationen als Anwalt der Schwächsten in der Gesellschaft und machen sich für alle stark, die sich in prekären Lebenslagen befinden.

So auch die Bonner Tafel e.V.:

Ihre 100 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich dem Ziel verschrieben, qualitativ einwandfreie Lebensmittel, die nicht mehr verkäuflich sind, denjenigen zur Verfügung zu stellen, die nur über geringe finanzielle Mittel verfügen. Sie nehmen damit gleichzeitig den Kampf auf gegen Lebensmittelverschwendung und für eine an sozialen Kriterien orientierte Weitergabe des Nahrungsüberflusses an bestimmte von Armut besonders betroffene Personengruppen. Dazu gehören:

  • Alleinerziehende
  • Familien mit vielen Kindern
  • Kinder aus prekären Lebensverhältnissen in Einrichtungen
  • Senioren mit kleinen Renten
  • Asylsuchende Kunden

680 Privathaushalte, 20 Kinder- und Jugendeinrichtungen, vier Seniorenbegegnungsstätten und fünf karitative Organisationen, insgesamt ca. 4500 Personen, profitieren wöchentlich von der Einsatzbereitschaft der Ehrenamtler. Alle engagieren sich im Wissen und mit der Überzeugung darin, Not zu mindern und der Wegwerfgesellschaft entgegenzutreten, sind sich aber gleichwohl bewusst, dass sie nur einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der individuell schwierigen Umstände leisten können.

Glücklicherweise stehen der Bonner Tafel viele Unterstützer zur Seite, seien es die Lebensmittelspender und diejenigen, die uns mit kleinen oder großen finanziellen Zuwendungen bedenken oder jene, die uns besondere Konditionen bei der Rechnungsstellung für erforderliche Ausgaben einräumen.

Alle tragen auf ihre Weise dazu bei, dass die Räder bei der Bonner Tafel bewegt werden können, zum Wohle derjenigen, die am Rande der Gesellschaft stehen.

Deshalb gilt unser Dank allen, die uns unterstützen, verbunden mit der Hoffnung, dass uns auch weiter folgendes Motto eint:

Jeder gibt, was er kann“

Beatrix Görtner/Marianne Baldus

für den Vorstand der Bonner Tafel e.V.

Jeder gibt, was er kann

Tafelinformation 2017

zum Download

Qualitativ einwandfreies Obst und Gemüse.

Täglich stapeln sich Kisten mit Waren