Tafelinformationen 2020 - Ehrenamt

Ehrenamtliches Engagement hat große Bedeutung für den Zusammenhalt in der Gesellschaft, für individuelle Teilhabe, für das kulturelle Leben, für stabile demokratische Strukturen und für soziale Bindungen. Besonders in einer alternden Gesellschaft wie in Deutschland ist das Ehrenamt wichtig, um ein breites Spektrum an Freizeit-, Kultur-, Sport-, und Pflegeangeboten zu sichern.

Seit dem 19.Jahrhundert sind ehrenamtliche Helfer in den verschiedensten Bereichen aktiv. In allen Altersgruppen ist das Interesse an ehrenamtlicher Tätigkeit groß und steigt, in den letzten fünfzehn Jahren um zehn Prozent. Die meisten Helfer sind mit ca. 37 Prozent im Sport zu finden. Es folgen Schulen und Kitas mit jeweils 20 Prozent. Im Sozialbereich engagieren sich 19,5 Prozent der Ehrenamtlichen und bei den Kirchen 17,5 Prozent.

Der typische Ehrenamtler ist berufstätig, gut gebildet und gehört der Mittelschicht an. Die größte Gruppe ist mit 47 Prozent die der 14 bis 49-jährigen, gefolgt von den über 65-jährigen mit 34 Prozent. Bemerkenswert ist der Anstieg bei Schüler- und Studentenschaft um 17 Prozent in den letzten Jahren. Die Gründe, warum weniger Senioren als Berufstätige ehrenamtlich aktiv sind, liegen auf der Hand. Oft sind es gesundheitliche Einschränkungen oder Großelternaufgaben. Der Einsatz in der Familie zählt nämlich nicht als Ehrenamt. Dieses ist definiert als „freiwillig, unentgeltlich bei einer Organisation, in einem Verein o.Ä.“ Legt man diese Definition zu Grunde, beläuft sich die Zahl der Ehrenamtlichen in Deutschland auf 15,98 Millionen (Allensbach-Institut 2018). Davon sind über die Hälfte bis zu zwei Stunden in der Woche aktiv, ein Viertel mehr als sechs Stunden.

Trotz dieser positiven Zahlenbilanz gibt es in vielen Bereichen Nachwuchssorgen, besonders bei der freiwilligen Feuerwehr. Das liegt vor allem daran, dass sich die Lebensweise junger Menschen deutlich verändert hat. Während in der Vergangenheit lebenslange Bindungen eingegangen wurden, so engagieren sich junge Leute heute lieber in zeitlich und thematisch begrenzten Projekten.

So vielfältig wie die Einsatzbereiche sind auch die Motive der ehrenamtlichen Helfer. Allen gemeinsam ist jedoch die Freude an der jeweiligen Tätigkeit, die Freude, für die Gemeinschaft zu sorgen und den eigenen Horizont zu erweitern. Die jungen Menschen wollen zudem Neues lernen und sich weiter qualifizieren. Die älteren möchten ihre Kenntnisse weitergeben und suchen nach einer sinnvollen Aufgabe.

Außerdem hilft die ehrenamtliche Tätigkeit gegen Einsamkeit und sorgt für größere persönliche Zufriedenheit. Wer mehr Zeit mit seinen Mitmenschen verbringt, kann das eigene Wohlbefinden stärken. Diese These wird durch eine repräsentative Untersuchung auf der Basis der SOEP- Erhebung von 2019 gestützt (Das soziologisch-ökonomische Panel oder auch „Leben in Deutschland“ genannt, liefert seit über 30 Jahren die Grundlage für wichtige Forschungsarbeiten zu den Lebensbedingungen privater Haushalte in Deutschland). Das Ergebnis dieser Befragung von 1178 Teilnehmern ist, dass es langfristig soziale Aktivitäten sind, die uns zufriedener machen können, mehr als das Streben nach einem besseren Job oder mehr Geld.

Diese positive Wirkung sozialen Engagements ist auch bei den Tafeln in Deutschland festzustellen. Aber wie viele andere Organisationen kämpfen auch die Tafeln um Nachwuchs.

70 Prozent der 60.000 ehrenamtlichen Tafelhelfer sind über 65 Jahre alt, nur zwei Prozent sind unter 30 Jahre alt. Um dieses Verhältnis zu ändern, müssen neue Wege beschritten werden, wie z.B. die Nutzung neuer Kommunikationskanäle, die Zusammenarbeit mit Schulen und Universitäten und flexible Arbeitsbedingungen.

Bei der Bonner Tafel sind neben den 120 Ehrenamtlichen mehrmals im Jahr und regelmäßig Schülerpraktikantinnen und -praktikanten im Einsatz, meist im Rahmen des von den Schulen angesetzten verpflichtenden Praktikums in der Jahrgangsstufe 10. Naturgemäß ist die Motivation dieser jungen Menschen oft sehr unterschiedlich. Ausnahmslos positiv ist dagegen die Zusammenarbeit mit Studenten und Studentinnen, die aus eigenem Antrieb oft über einen langen Zeitraum bei der Bonner Tafel arbeiten. Die Zusammenarbeit mit all diesen jungen Menschen wird stets als inspirierend und innovativ wahrgenommen, denn sie „bringen frischen Wind“.

Auch bei der Bonner Tafel sind die meisten Ehrenamtlichen im Rentenalter, doch gibt es erfreulicherweise auch Berufstätige. Bemerkenswert ist, dass die meisten über viele Jahre dabeibleiben, was wir einerseits der guten Arbeitsatmosphäre, andererseits der Sinnhaftigkeit der Tafelarbeit zuschreiben.

Das Ziel, Lebensmittel vor der Vernichtung zu retten und sie bedürftigen Menschen zukommen zu lassen, eint uns alle. Dafür sind wir 1600 Stunden monatlich im Einsatz. Nach wie vor versorgen wir an fünf Tagen in der Woche 4500 Bonner Bürgerinnen und Bürger mit einwandfreien, aber nicht mehr verkäuflichen Lebensmitteln.

Und wir hoffen, auch dank Ihrer Unterstützung, auf die wir angewiesen sind, dies weiterhin so leisten zu können.

Beatrix Görtner

für den Vorstand der Bonner Tafel e.V.

Tafelinformation 2019

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Qualitativ einwandfreies Obst und Gemüse.

Täglich stapeln sich Kisten mit Waren